Marc Taschowsky
Postpoppopper
Malerei und Objekte
Vernissage:
Sa. 05. 05 2018 | 18 Uhr
Ausstellungsdauer:
06. 05 - 03. 06. 2018
Öffnungszeiten:
Do. - So. 14 - 19 Uhr
Galerie im Ganserhaus / Schmidzeile 8 / Wasserburg am Inn
Website Künstler/in:
  • Zur Ausstellung in Wasserburg am 05.05.2018


    Bei meinen Ausstellungen in der deutschen Kunstvereins- und Ausstellungslandschaft kommt es oft vor, dass sich Fragen bezüglich meiner Arbeit wiederholen.
    Natürlich variieren die Fragen in ihrer Qualität und Kreativität und werden mal offensiv oder defensiv vorgebracht.
    Daraus habe ich jetzt eine kleine Zusammenfassung erstellt.

    Die zehn meistgestellten Fragen und auch ihre Antworten dazu:
    (die sich natürlich auch wiederholen, was aber niemanden auffällt)
    Leider habe ich nur sehr wenige Groupies die mir nachreisen.

    1. „Kann man sagen, dass ihre Bilder einen gewissen Bezug zur Pop Art haben? Haben sie Ihre Wurzeln in der Pop Art? Oder direkter: das ist Pop“.
    Da fühle ich mich immer ein bisschen geehrt. Auch wenn es nicht stimmt und auch, weil diese Frage durchaus negativ sein könnte, falls der Frager Pop Art hasst. Ist das Pop? Was soll der Mist.

    Geehrt deswegen, weil ich ja mit der Popart große Namen wie Andy Warhol, Roy Lichtenstein, James Rosenquist, Tom Wesselmann, David Hockney und dem von mir sehr geschätzten, aber eher unbekannten englischen Pop Art Maler Peter Blake verbinde.
    Die Pop Art hatte ihren Schwerpunkt zwischen 1960 und 1980, und war eine Reaktion auf Waren und Werbewelt. Sie war auch eine Art Zeitgeist-Kunst. Der Begriff Pop Art ist für diese Zeit festgelegt.
    Also mache ich keine Pop Art, da es 2018 ist.
    Über Post Pop Art kann man noch nachdenken. Und natürlich mache ich eine Art Pop.
    Aber klar ist, dass ich ohne diese Vorgänger nicht so einfach an meine Motivwelten gekommen wäre.
    Das bedienen an unserem medialen kollektiven Bildfundus ist nur durch diese Form der Kunst erst machbar geworden.
    Da knüpft dann auch schon die nächste Frage an.

    2. „Woher nehmen sie ihre Inspiration?“
    Ich muss dann immer raten. Denn ich weiß gar nicht so richtig, was Inspiration eigentlich ist.
    Meint derjenige, woher nehme ich den Mut und die Kraft so tolle Bilder zu malen?
    Oder „welche Rotweinsorte trinken sie?“
    Oder vielleicht will er wissen, ob ich ein ähnliches ausschweifendes Geliebtenrepertoire habe, wie so manch berühmter Künstler hatte.

    Ich weiß es einfach nicht. Also verlege ich mich dann immer darauf zu erklären, woher ich meine Motive nehme.
    Aus Zeitungen, Illustrierten, dem Internet oder einfach mal von einem Handzettel, der plötzlich an meinen Schuh klebt.
    Das ist vielleicht für jemanden der nach meiner Inspiration fragt zu trocken.
    Doch was soll ich da sagen?
    Mein Beruf ist Maler. Ich gehe jeden Tag in mein Atelier und male, auch wenn es mir schlecht geht.
    Es ist durchaus so, dass ich nicht sonderlich bürokratisch vorgehe. Und ich mich immer mehr auf mein Bauchgefühl verlasse und leiten lasse.
    Doch das hat auch nichts mit Inspiration zu tun. Vielmehr mit Erfahrung und dem Versuch, mich selber immer besser zu verstehen und meinen Vorstellungen auch nachzugehen.
    Der beste Arbeitsfluss entsteht bei mir in der Aktion. Also, ich gehe von Bild zu Bild male hier male da, stelle Bilder weg und hole andere hervor.
    Wenn das Inspiration ist, dann gerne.

    3. „Sie mögen auch Comics“.
    Ja, mag ich. Dann muss ich immer weiterreden, weil der andere nichts mehr sagt.
    Ich lese gerne Comics aber male sie nicht deswegen.
    In der Motivwelt, die ich benutze, kommt genauso eine Biene Maja vor wie eine Heidi Klum.
    Ich brauche diese Comicfragmente, um klar zumachen, dass ich keine naturalistischen Bilder male.
    Diese Motive sind gewollte Störfaktoren.
    Ich versuche mir immer wieder ein Bein zu stellen und mich zu überraschen. Ich übermal oder überschreibe Motive um darauf reagieren zu müssen. So wird das Bild immer wieder überarbeitet verworfen, zerstört und wieder neu aufgebaut.

    4. „Ist das Öl? Ist das Öl oder Acryl?“
    Gott sei Dank wurde ich noch nie gefragt, ob das Aquarell oder Seidenmalerei ist.
    Die Frage nach Ölfarbe hat ja durchaus seine Berechtigung.
    Aber das ist, wie immer bei solchen Fragen. Manchmal braucht man lange, um sie zu verstehen.
    Und mir ist klar geworden, dass die Frage einfach bedeutet: „Ist dass Ölfarbe?“
    Die Antwort könnte dann z.B. lauten: ja.
    Aber als Maler ist man ja viel zu eng mit seinen Bildern verbunden. Und man ließt deswegen solche Fragen anders.
    Mögliche Fragen hinter der Frage könnten lauten:
    -„Das sind bestimmt Acrylbilder weil die so matt sind“ - nein ich verdünne oft stark, deswegen sind die nicht so glänzend, aber es ist Öl.
    -„Warum muss der denn seine Ölfarbe in Terpentinersatz ersaufen“, -ich brauche stark verdünnte Farbe, um durch das Verlaufen Zufälle herbeizuführen die ich nicht im Voraus plane.
    -„Das ist so matt, weil der die billige Ölfarbe kauft. Wieder ein armer erfolgloser Künstler, der trägt nur Anzüge, um darüber hinwegzutäuschen“.
    Nein deswegen nicht, aber ich verbrauche soviel Farbe und oft so unorthodox, dass es überhaupt keinen Sinn macht, teure Farbe zu kaufen. Aber die billigste kaufe ich auch nicht. Ich achte auch nicht auf das Geld beim Materialeinkauf. Was ich brauche muss gekauft werden.
    Es könnte natürlich auch meinen:
    - „Mensch das ist Öl. Das ist ja überhaupt nicht so speckig und zugemalt wie ich Ölfarbe sonst kenne“.

    5. „Malen Sie auch Auftragsportraits“?
    Auch eine schwierig zu beantwortende Frage. Wird sie aus reinem Interesse gestellt oder ist es ein möglicher Käufer? Soll ich seine Tochter malen oder Biene Maja, oder Heidi Klum?
    Weil: Maja und Klum ja - Tochter nein.
    Meine Portraits sind ausschließlich von Menschen aus der Medienvielfalt. Ich habe einen Abstand zu den zu Portraitierten und keinen persönlichen Bezug. Bei Auftragsportraits von der Tochter kommt man automatisch in eine Situation, wo es um Gefallen und richtig und falsch geht. Und dafür ist meine Art der Malerei die falsche.
    Allerdings wurde ich von dem einen oder anderen Sammler durchaus mal überredet, die Familie zu malen.

    6.“ Wie passen die Objekte zu ihren Bildern?“
    Das ist eine gute Frage.
    Mittlerweile passen sie sehr gut. Ich verstehe mich als Maler. Ich bin Maler.
    Es war lange für mich klar, dass die Malerei so komplex ist, dass es nicht ein Ausweichen zu anderen Medien bedarf.
    2008 habe ich mal eine Überraschungseifigur an einen Axtstil geklebt. Mit einem Kaugummi. Die klebte da einige Zeit. Irgendwann leuchtete mir ein, dass die da gut klebte. Also klebte ich weitere Figuren zusammen. Mit Acrylkleber. Bis daraus eine ausstellbare Form entstand verging Zeit.
    Das lag auch daran, dass ich es zulassen musste.
    Aber jetzt ist das für mich ein ähnlicher Vorgang, wie bei meinen Bildern.
    Ich sammele Material und papp es zusammen. Korrigiere es durch wegnehmen und hinzufügen.
    Und auch mit diesen Objekten habe ich wieder einen weiteren Schritt in Richtung Pop Art gemacht. Dinge aus der Warenwelt in anderen Kontext gestellt.

    7. „Warum machst du die Objekte nicht in Bronze“? Das „Du“, weil mir diese Frage meist von Galeristen gestellt wird, die mich schon länger kennen.
    Dabei reiben sie sich schon die Hände und denken bei Bronze an Geldverdienen. Bronzen sind teuer.
    Aber diese Träume musste ich leider zerstören. Bronze interessiert mich nicht. Und inhaltlich passt es absolut nicht zu diesem kompromisslosen Zusammenfügen von unterschiedlichen Dingen.
    Da würde eine Art Leichtigkeit verlorengehen.


    Und nun zu einer Frage die mir erst einmal gestellt wurde, aber von der ich glaube, dass sie ganz oft gedacht wird.

    8. „Sind sie etwa der Künstler“?
    Ja, (wegen dem ETWA muss ich dann noch ein WIESO dranhängen)?
    Weil, sie sehen gar nicht so aus. Eher wie ein Biologielehrer.

    Ich bin vor kurzem bei der Suche nach Künstlerportraits auf Künstler gestoßen, die aussahen wie Bankdirektoren, reiche Erben, Versicherungskaufleute und, ganz schön: Barnet Newman, sieht meiner Meinung aus wie ein amerikanischer Motorradpolizist.
    Ich weiß nicht wie ein Künstler aussehen muss, um auszusehen wie ein Künstler. Verbraucht, besorgt, böse oder verwahrlost?
    Also eher exzessiv. Aber da gibt es ja nur wenige, die lange ein exzessives Leben durchhalten.
    Ich finde die Frage lustig aber auch ein bisschen ärgerlich. Nicht, weil ich nicht so aussehe wie ein Künstler, sondern weil die Frage gestellt wird und nur auf der eigen Unwissendheit beruht. Mein unschuldiges Gesicht hat gar nichts damit zu tun.

    Eine weitere beliebte Frage,
    9. „Können Sie davon leben“?
    Antwort: ja kann ich, aber ich verrate nicht wie.

    10. Und nun zur meist gestellten Fragen die ich aus Gründen der Dramaturgie ans Ende stellen musste.
    „Wo sind eigentlich die Getränke?“

    Vielen Dank für ihre Geduld
Impressionen:

03-2018