Sektempfang
Ausstellungsdauer:
27.01.2018 um 14.00 Uhr
Galerie im Ganserhaus / Schmidzeile 8 / Wasserburg am Inn
  • Wie das. wirklich war.

    1968 habe ich durch ein Inserat in der Wasserburger Zeitung interessierte Künstler gesucht, die eventuell bereit waren im Großen Rathaussaal eine Kunstausstellung zu organisieren.
    Auf dieses Inserat meldeten sich nur wenige Personen, wir haben uns im damaligen GreinBräu in einer Gaststube im ersten Stock getroffen. Meiner Erinnerung waren das, Boidl Wagenstetter, Willy
    Reichert, Klaus Honauer, Harri Fiola und ich. Wir wollten diese von mir geplante Ausstellung im Wasserburger Rathaus durchführen, waren dann aber schnell der Meinung, dass dieses Vorhaben nur durch einen Verein zu verwirklichen war. Ein Entgegennehmen von Spenden oder Zuschüssen war ohne Verein nicht möglich .
    Also gründeten wir den Arbeitskreis 68, Künstlergemeinschaft Wasserburg am Inn.

    Die Gründungsmitglieder waren soweit ich mich noch erinnern kann, Boidl Wagenstetter, Harri Fiola, Klaus Honauer, Willi Reichert, Maria Schell, die damals sehr berühmte Schauspielerin, die in Heberthal bei Wasserburg am Inn wohnte – deren Mann Veith Relin, und ich. In wie weit noch andere Personen beteiligt waren, daran kann ich mich nicht mehr erinnern.
    Der Wasserburger Rechtsanwalt Sepp Bauer entwarf die erste Fassung der Vereinssatzung, die wir dann auch zur Gründung unterschrieben haben. Man wählte mich zum ersten Vorsitzenden, Boid Wagenstetter zum zweiten Vorsitzenden, Harri Fiola wurde zum Kassier und Schriftführer gewählt. Ziel des Vereins war in erster Linie die Förderung zeitgenössischer Kunst in Wasserburg am
    Inn, unsere Devise war damals nicht nur alte Fassaden … und eine jährliche Große Kunstausstellung im Rathaus.
    Die erste Ausstellung dann war ein großer Erfolg. Sehr viele Künstler aus ganz Bayern und darüber hinaus beteiligten sich und gesellschaftlich waren dann auch die folgenden Ausstellungen einer der großen Anziehungspunkte Wasserburgs.
    Erwähnen möchte ich auch, dass wir mit der Großen Kunstausteilung nicht nur auf Gegenliebe, sondern vereinzelt auch auf Widerstand gestoßen sind.
    Ich will nur zwei krasse Beispiele benennen. Einmal hatten wir eine sehr große Eisenskulptur des Bildhauers Alf Lechner vor dem Rathaus aufgestellt. Das Bayerische Fernsehen hatte das auch dokumentiert, als ein Wasserburger Stadtrat, dessen Namen ich nicht nennen will und der auch längst verstorben ist, eine Lastwagenfuhre mit Müll in der Nacht auf die Skulptur von Alf Lechner kippen ließ, und dann als dann Alf Lechner bei der Aufstellung der Skulptur vor dem Rathaus dabei war, von einigen Bürgern ganz böse angesprochen wurde. Unter anderem fiel dabei auch der Satz, dass man früher solche Leute wie ihn vergast hätte.
    Das war dann schon ein starkes Stück. Und Lechner meinte so etwas sei ihm in keiner anderen Stadt passiert. Das waren zwei extreme Beispiele, ich möchte es aber hier erwähnen, um zu sagen dass es auch Widerstände gegen die Tätigkeit des Arbeitskreise gab.

    Jetzt zum Ganserhaus.
    Der Boidl Wagenstetter und ich wollten immer schon eine Galerie für den Arbeitskreis 68, so dass man auch außerhalb der Großen Kunstausstellung im Rathaus, das ganze Jahr über mit moderner Kunst in Wasserburg präsent sein konnte, als sich ein sehr schönes Haus in Wasserburg am Inn zum Kauf anbot.
    Von Frau Anna Ganser, zu der ich immer eine gute Beziehung hatte, erfuhr ich dann, dass sie ihr Haus in der Schmidzeile verkaufen würde. Ihr Wunsch war aber in dem Haus weiter zu wohnen. Dem konnten wir entgegenkommen und gegen eine Leibrente erwarb dann der Arbeitskreis 68 das
    Anwesen in der Schmidzeile, das heutige Ganserhaus. Boidl Wagenstetter und ich verbürgten uns mit unserem privaten Vermögen, gegenüber der Sparkasse Wasserburg am Inn, die dem Arbeitskreis 68 dann die notwendigen Kredite zur Restaurierung der Fassade und Ausbau der Galerieräume gab. Mit Absprache des Bayerischen Amtes für Denkmalpflege erfolgte dann der ganze Umbau.
    1972 wurde der Wasserburger Landkreis aufgelöst, diesem Umstand verdankten dann wir, dass unsere damals gestellten Anträge zur staatlichen Finanzierung schnell positv entschieden wurden. Aus Protest gegen die Auflösung des Wasserburger Landkreises, traten viele Stadträte aus der CSU aus. Der damalige Staatssekretär Erich Kiesel des Bayerischen Innenministeriums unter dem damaligen Innenminister Bruno Merck, kam nach Wasserburg, um anscheinend größeren Schaden bei der Wasserburger CSU zu verhüten, als sich dann die Wasserburger Stadträtin Kathi Fellner, aus Protest vor sein Auto warf und ihm dadurch die Weiterfahrt verhinderte. Kiesel war so ungeschickt und hatte die Kathi Fellner wegen Nötigung angezeigt. Ein gerichtliches Verfahren war die Folge. Anscheinend hatte man aber im Ministerium in München dem Staatssekretär Kiesel nahegelegt, die Anzeige gegen Kathi Fellner zurückzuziehen, was aber nicht mehr möglich war, ohne dem Einverständnis der Kathi Fellner, und die wollte nicht. Warum auch immer, ich weiß es bis heute nicht, bekam ich einen Anruf vom Staatssekretär Kiesel, ob es dem Wagenstetter Boidl und mir nicht möglich wären, die Kathi Fellner umzustimmen. Da ich die Kathi Fellner sehr gut kannte, dachte ich mir und sagte das zum Staatssekretär Kiesel, dass ich sie umstimmen könnte, aber da müsste er schon ein Angebot machen und mir und dem Wagenstetter Boidl das Wort geben, dass wir die notwendigen und beantragten Gelder für den Umbau des Ganserhauses schnellstens bekämen. Was er uns dann auch zusagte. Die Kathi Fellner war sofort umgestimmt, als sie von der Gegenleisteung für den Arbeitskreis 68 hörte.
    Der Staatssekretät Erich Kiesel hat dann aber nichts mehr von sich hören lassen, unsere Anträge blieben unbeantwortet. Der Boidl Wagenstetter und ich blieben aber hartnäckig. Immer wieder haben wir den Staatssekretär an sein Versprechen erinnert. Irgendwann gelang es uns dann im
    Bayerischen Innenministerium einen Termin mit dem Erich Kiesel und dem Minister Bruno Merck zu bekommen, Der Staatssekretär Kiesel empfing uns, sagte aber, dass der Minister nicht im Hause sei, was aber nicht den Tatsachen entsprach, weil der Boidl Wagenstetter und ich den Minister persönlich und zufällig und kurz zuvor im Vorbeigehen gesehen hatten. Es kam dann doch zu
    einem Gespräch mit dem Minister Bruno Merck, der dann sagte, wenn das so sei und sein Staatsekretär dies bestätige, dann muss geholfen werden. Der Staatssekretär hat nichts geleugnet, sondern bestätigte nochmals sein Versprechen.
    Am selben Tag noch fuhren dann der Boidl Wagenstetter, der Staatssekretär Kiesel, der damalige Landtagsabgeordnete Franz Neubauer und ich in den Bayerischen Landtag, man holte, den Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Alfons Goppel aus einer Sitzung, und Franz Neubauer
    schilderte ihm das Problem. Ärgerlich sagte er zum Staatsekretär: Erich was hast du da wieder angestellt! Zu Franz Neubauer sagte er: Franz wie lösen wir das Problem? Franz Neubauer sagte dann: Alfons, das machen wir über die Bayerische Landesstiftung, deren Vorsitzender du bist. Wir bräuchten also nur deine Unterschrift. Goppel war einverstanden und sagte zu Franz Neubauer: Nimm das in die Hand und veranlasse die notwendigen Anträge und Schriftstücke.
    Der Kredit bei der Sparkasse wurde getilgt und der Fertigstellung des Ganserhauses stand nichts mehr im Weg. Der bayerische Ministerpräsident Dr. Alfons Goppel eröffnete die erste Ausstellung im Ganserhaus und kam nach Wasserburg am Inn. Die erste Ausstellung war dem Maler Mac Zimmermann gewidmet, zur Ausstellung Herbert Schneider kam dann der Bundespräsident Walter Scheel zu einem Empfang ins Ganserhaus. Die Große Wasserburger Kunstausstellung und die Galerie im Ganserhaus waren weit über die Grenzen bekannt geworden. Ich leitete den Arbeitskreis 68 11 Jahre, als deren 1 . Vorsitzender. Erwähnen möchte ich noch den Boidl Wagenstetter und den Harri Fiola, ohne deren Mithilfe das alles nicht entstanden wäre.

    Was ich bedauere
    Dass es meinen Nachfolgern nicht gelungen ist:
    Ein weiterer Ausbau des Ganserhauses – eine vom Arbeitskreis begonnene eigene Kunstsammlung für ein eventuelles, späteres Museum für moderne Kunst in Wasserburg am Inn fortzuführen
    Was aus den damals gesammelten Arbeiten geworden ist, weiß ich nicht. Es waren immerhin auch
    Skulpturen von Horst Antes, Holzschnitte von Hap Grieshaber, Aquarelle von Bargheer,
    Mappenwerke von Mac Zimmermann, und vieles andere dabei.
    Dass die Verhandlungen mit den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen
    eine Zweigstelle in das damalige Amtsgericht an dem Widerstand der Stadt scheiterten – der Sammler Christoph Zwicklitzer aus Paris hätte damals seine komplette Picassoplakatesammlung nach Wasserburg am Inn gestiftet.
    Dass nach meiner Kenntnis, das Ganserhaus nicht mehr so ganz im Besitz der Künstlergemeinschaft sei, sollte sich der Verein je einmal auflösen, so heißt es, ginge das Haus in den Besitz der Stadt Wasserburg über. Mir wäre es da lieber gewesen, wenn es schon einmal zu einer Auflösung des Vereins kommen sollte, was ich mir nicht wünsche, dass dann ein Verkauf des Ganserhauses dem Verein ermöglicht hätte, mit dem Erlös daraus über mehrere Tage hinweg ein Künstlerfest der
    Superlative in Wasserburg am Inn zu veranstalten.

    Wasserburg ist nicht mehr das Wasserburg meiner Erinnerung.

    27.Januar 2018 Wasserburg am Inn
    Alexander Hatzl (C.A. Wasserburger) 50 Jahre
    Arbeitskreis 68 Künstlergemeinschaft Wasserburg am Inn

Impressionen:

01-2018